Anmelden

Forum

MARKT: Milch

Mehr
25 Apr 2012 20:59 #6459 von cattle
cattle erstellte das Thema MARKT: Milch
MoinMoin!

Nach den enttäuschenden Ergebnissen in den Verhandlungen um die Preise im Bereich Frische sehen einige meiner Bekannten aus dem Milchbereich schon in Bälde Auszahlungspreise von unter 30 Cent. Auch die Verhandlungen im Bereich Butter sorgen aktuell für keine berauschende Stimmung. Stützung ist derzeit allenfalls aus dem Bereich Käse zu erwarten.

Wie seht Ihr die Entwicklungen in den kommenden Monaten?

Uwe
(cattle)

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutretten.

Mehr
22 Mai 2012 15:37 #6525 von haidmayrhof@aon.at
haidmayrhof@aon.at antwortete auf das Thema: Aw: MARKT: Milch
ich würde mich interessieren dafür. Nur bitte wie funktioniert das und wo liegt das Risiko?
Für mich klingt Terminkontrakt sehr spekulativ. Sogar Banken haben sich bei diesen Geschäften kräftig in die Finger geschnitten, wie also soll ich mich als Milchbauer dabei auskennen.
Dennoch - es interessiert mich. Kann mir wer erklären wie so ein Kontrakt läuft? Was ändert sich für mich in der Praxis? Wieviel Milch muss man erzeugen um hier mit mischen zu könnnen.
lg.
éin Milchbauer aus Österreich

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutretten.

Mehr
22 Mai 2012 22:06 #6526 von cattle
cattle antwortete auf das Thema: Aw: MARKT: Milch
MoinMoin!

Ich kenne einige Leute, die es Dir ganz genau erklären könnten. Ich werde da mal nachfragen, ob uns einer von diesen Experten genauer erklären kann. Ich habe leider auch noch keine "So geht das"-Fibel, vielleicht sollte man so etwas mal schreiben :-).

Das wesentliche Problem ist derzeit wohl noch, dass die Terminmärkte für Milch aktuell nicht funktionieren, weil sie kaum genutzt werden. Aber ich denke mal, dass (a) die zunehmende Volatilität der Milchpreise und (b) die zunehmend straffere Liquiditätsdecke auf den wachsenden Betrieben dafür sorgen wird, dass dort mehr passieren wird. Zudem werden die Betriebe ja auch größer und da geht es ja doch um richtig echtes Geld.

Anbei mal ein Text, den ich im Netz von meinem Kollegen Uwe Steffin gefunden habe. Uwe Steffin ist einer der echten Kenner der Materie. Der Text umfasst im Original diverse Bilder und Darstellungen, meldet Euch bei www.neuelandwirtschaft.de , dort könnt Ihr den Text im Original beziehen.

Uwe grüßt
(cattle)

... und hier der Text:

Der Haken für Milcherzeuger: An unserer „Hausbörse“, der Frankfurter Eurex, wird bisher keine Rohmilch, sondern nur Butter und Magermilchpulver gehandelt. Milcherzeuger müssen deshalb „um die Ecke denken” und die in ihrer Milch enthaltenen Rohstoffe auf Termin verkaufen.

Wie eine solche Preisabsicherung funktioniert, zeigt die folgende Modellrechnung: Landwirt Meier produziert jährlich 1 Mio. kg Rohmilch. Er will die zuletzt hohen Butter- und Pulverpreise über die Börse weit in die Zukunft festschreiben. Meier rechnet für die kommenden Monate mit einem Preisrückgang bei Milcherzeugnissen und will sich das derzeit attraktive Preisniveau langfristig sichern. Meier verkauft also Butterkontrakte zur Abrechnung im Oktober 2012 an der Eurex für aktuell erzielbare 3.576 €/t und Pulver für 2.473 €/t. Das entspricht einem Rohstoffwert der Milch von etwa 34 Cent/kg, der auf Basis der Butter- und Pulververwertung z. B. vom Kieler Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft (ife) ermittelt wird.

Meier will dafür 100 t Rohmilch (ein Zehntel seiner Jahresproduktion bzw. ein Milchgeld von 34.000 €) absichern. Da 100 t Rohmilch, grob geschätzt, zehn Tonnen Magermilchpulver und fünf Tonnen Butter hergeben, muss Meier an der Börse zwei Pulverkontrakte sowie einen Butterkontrakt mit je fünf Tonnen verkaufen. Damit kann dem Landwirt ab jetzt egal sein, ob der Erzeugerpreis in den kommenden zwölf Monaten fällt oder steigt, denn der Preis ist mit dem Kontraktverkauf praktisch „eingefroren“.

Im Oktober 2012 kauft der Milchbauer seine Kontrakte unabhängig von der weiteren Preis­entwicklung über die Terminbörse zurück, er stellt die zuvor eingegangenen Positionen also glatt.

Während der einjährigen Restlaufzeit der Kontrakte sind zwei Szenarien vorstellbar, die zu dem gewünschten Milchgeld von 34.000 Euro führen. Wenn die Preise für Butter und Pulver sinken, kann Meier seine Kontrakte nach einem Jahr billiger zurückkaufen, als er sie zuvor verkauft hat. Bei einem Rückgang um 20 % beträgt der Börsengewinn 8.500 €. Gleichzeitig sinkt aber auch der Milchauszahlungspreis auf 25,5 Cent/kg und zehrt den Börsengewinn komplett auf. Unter dem Strich realisiert Meier für seine 100 t Rohmilch 34.000 Euro, was genau dem vorab geplanten Preis von 34 Cent/kg verkaufter Milch entspricht.

Und wie würde Meier bei einem Preisanstieg fahren? Angenommen, die Butter- und Pulvernotierungen stiegen bis Oktober 2012 um 20 %. Dann müsste Meier seine Kontrakte teurer zurückkaufen, als er sie ursprünglich verkauft hatte. Dadurch würde er einen Börsenverlust in Höhe von 8.500 Euro erleiden. Dieser Verlust könnte aber durch den parallelen Anstieg der Milchauszahlungspreise auf 42,5 Cent/kg ausgeglichen werden. Nach Abzug der Börsenverluste erlöst Meier für die 100 t Rohmilch ebenfalls 34.000 Euro, womit er den zuvor geplanten Zielpreis trifft.

Dieser Umweg über Verarbeitungskontrakte dürfte kurzfristig eine zu große Hürde für viele Milcherzeuger darstellen. Zudem ist die direkte Preisabsicherung bei einer Kontraktgröße von fünf Tonnen Butter oder Pulver nur für größere Milcherzeuger (ab einer Herdengröße von 100 Kühen) geeignet. Aufgrund dieser vor allem für kleinere Milcherzeuger kaum überwindbaren Hürden sind die Abnehmer in der Pflicht, direkt an der Börse aktiv zu werden.

Die Preisabsicherung an der Eurex ermöglicht es den Molkereien, ihren Milchlieferanten für Teilmengen von der Börse abgeleitete Festpreise für bis zu 18 Monate im Voraus anzubieten. Das Preisrisiko wandert dadurch vom Erzeuger zur Molkerei, die das Risiko umgehend durch Vorverkäufe von Butter und Pulver an der Börse transferieren kann. Vorteil für den Milcherzeuger: Er braucht kein eigenes Börsenkonto und kommt bei ungünstiger Kursentwicklung auch nicht in die Nachschusspflicht. Durch die Preisabsicherung wird der Milchpreis stabilisiert und kalkulierbar, nicht aber maximiert. Steigen die Börsenpreise für Butter und Pulver nach der Preisabsicherung, wird der mögliche Auszahlungspreis der Molkereien durch die dadurch entstehenden Börsenverluste beschnitten.

Die Bereitschaft der Molkereien zur Preisabsicherung hängt entscheidend von der regionalen Wettbewerbssituation ab. Grundsätzlich haben Molkereien wenig Interesse an einer Preisabsicherung, so lange das Preisrisiko an die Milchlieferanten durchgereicht werden kann. Sobald einzelne Molkereien jedoch mit einer Preisabsicherung beginnen, kann es für die umliegenden Molkereien bei fallenden Butter- und Pulverpreisen notwendig sein, sich ebenfalls abzusichern. Denn nur dann kann später ein konkurrenzfähiges Milchgeld ausgezahlt werden.

Vorstellbar wäre in Zukunft auch, dass die Molkereien ihren Lieferanten für einen Teil der Liefermenge die Abrechnung zu Spotmarktpreisen erlauben. Um das am Spotmarkt selbst von Woche zu Woche enorme Preisänderungsrisiko abzupuffern, sichert der Landwirt parallel die entsprechenden Milchmengen über Butter- und Pulverkontrakte an der Eurex ab. Damit könnte der Landwirt wie heute bei der Vermarktung von Getreide oder Raps selbst über den optimalen Vermarktungszeitpunkt entscheiden.

Im Extremfall könnten Milchbauern bis zu 100 % ihrer Milchmenge mit diesem Vermarktungsmodell vermarkten, beispielsweise über Erzeugergemeinschaften. Aber Vorsicht: Gerade im fallenden Markt zählt die Abnahmesicherheit einer guten Molkerei mehr als der letzte Cent beim Milchgeld!

Nach mauem Handelsstart im Jahr 2010 zeigt die Umsatzkurve bei den Butterkontrakten seit August steil nach oben. An einzelnen Handelstagen wechseln auf einen Schlag 50 Butterkontrakte den Besitzer, was einer physischen Buttermenge von 250 t entspricht. Künftig will auch der neuseeländische Milchriese Fonterra seine Preisrisiken bei Butter und Magermilchpulver an der Eurex hedgen. Das macht Hoffnung, dass bald das für die Absicherung größerer Rohstoffpositionen notwendige „Grundrauschen“ vorhanden ist.

Eines sollte den Molkereien klar sein: Die Eurex-Kontrakte auf Butter und Pulver müssen ein Erfolg werden, da die komplette Wertschöpfungskette Milch von einem umsatzstarken Terminhandel profitiert.

Autor: Dr. Uwe Steffin

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutretten.

Mehr
01 Jun 2012 11:17 #6539 von cattle
cattle antwortete auf das Thema: Aw: MARKT: Milch
MoinMoin! Gerade habe ich meine aktuelle Ausgabe der TopAgrar ausgepackt. Dort findest Du auch ein Spezialheft "Agrar-Börse". Auf den Seiten 28 - 30 findest Du Informationen zum Thema "Das bringt der "Milch"-Terminhandel". Auch sonst sieht das Spezialheft interessant aus, gelesen habe ich aber noch nichts. Vielleicht ja am Wochenende ... .

Uwe
(cattle)

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutretten.

Anmelden oder Registrieren