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Bücher & Co.

Buch "Menschen, Milchvieh, Melkroboter"

Fritz Fleege, Deutschlands wohl renommiertester Journalist im Bereich Rinderhaltung, hat nach seinem Übergang in den Ruhestand ein Buch geschrieben! Da ist es doch klar, dass wir uns (a) freuen und folglich auch (b) hier auf dieses Werk hinweisen wollen!

"Fritz Fleege" war für mich als "Wessi" aus den alten Bundesländern schon vor dem Mauerfall ein Begriff. In den Bauernmedien, die irgendwie den Weg über, durch oder unter die Mauer vom Osten in den Westen schafften, fand ich immer mal wieder den Namen Fritz Fleege. Ich mochte seinen Schreibstil und die Themen, zu denen er seine Artikel verfasste: praktisch, ohne allzu technisch zu werden, sehr gut lesbar, ohne flach zu werden, kurzum: eine wahre Freude für den Praktiker!

Ich weiß nicht, wann ich zum ersten Mal von ihm gelesen habe, war es 1986? Ich weiß es nicht mehr. Umso toller war es, als ich Fritz kurz nach dem Fall der Mauer "in Fleisch und Blut" erleben durfte. Und es war megacool, dass es sich bei meinem Helden aus der "Rinderschreibe-Zunft" um einen total netten und bescheidenen Mann handelte ... jooo ... und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ich musste diese Zeilen einfach vorweg stellen, um klarzumachen, wieviel Wert ich auf das Urteil von Fritz Fleege lege. Oft ist es sogar weniger sein finales Urteil, sondern die eine oder andere Frage, die er so am Rande stellt und über die man dann gut und lange nachdenken kann ... und sollte.

So, genug gelobhudelt ;-) . Das Buch "Menschen, Milchvieh, Melkroboter" ist im Harteinband erschienen und umfasst knapp 300 Seiten. Das Buch fällt durch seine schöne Bebilderung auf, die Fotos stammen überwiegend aus der Kamera von Fritz Fleege selbst. Geliefert werden Einblicke in die Milchproduktion in 38 Ländern auf fünf Kontinenten, sehr schön. Das gesamte Werk besteht aus Reportagen, die Fleege in den vergangenen 40plus Jahren verfasst hat. Diese wurden umgeschrieben, überarbeitet und aktualisiert und sind von daher top aktuell!

Auf diese Weise erhält das Buch einen besonderen Charme, da man sowohl etwas über die hiesige Milchproduktion erfährt als auch über das Melken und die die Rinderhaltung in Ländern wie Serbien, Südafrika, Indien oder Kolumbien. Schön ist auch, dass nicht nur über die Situation der Tierhaltung und des Melkens, sondern auch über Produktion, das Menschliche und allerlei Drumherum geschrieben wird. Lesefaule oder aber auch solche, die nur wenig Zeit zum Lesen haben, werden sich zudem darüber freuen, dass die Kapitel selten länger als vier Seiten sind. So kann man fix mal 1 oder 2 Texte lesen und dann wieder in den Stall schlüren oder aber das Licht der Nachttischlampe löschen und in die Nacht hineinschnorcheln.

Ich mag das Buch und lese sehr gerne darin. Irre ist für meinen Geschmack, dass das Buch, das von einem Mann geschrieben worden ist, der seit über 40 Jahren über die Milchproduktion und Milchviehhaltung schreibt, für lediglich 19,80 Euro angeboten wird. Da gibt es - da wollen wir doch mal ganz ehrlich sein - viele Bücher, die mehr kosten und weniger bringen. Also, ich finde das Buch prima. Ich denke, dass sich zumindest jeder, der die Artikel von Fritz Fleege kennt, über dieses Buch freuen dürfte ... ist ja schon bald Weihnachten ;-) . Doch auch Menschen, die Fritz Fleege noch nicht kennen, dürften sich über dieses Buch freuen.

Uwe
(cattle)... und hier eine weitere Besprechung: 

Das geht auf keine Kuhhaut

Als einer der Ersten blätterte im Fachbuch „Menschen, Milchvieh, Melkroboter“ Prof. Dr. Otto Kaufmann von der Humboldt-Universität zu Berlin. Hier lesen Sie die Meinung des bekannten Tierhaltungsexperten.

Ein Weltreisender in Sachen Milchvieh und Milcherzeugung hat jetzt einen umfangreichen Bericht vorgelegt, der seine Einsichten in die Milchviehhaltung in vielen Teilen unserer Erde widerspiegelt. Entstanden ist ein reich illustrierter Band voller interessanter Geschichten über Menschen und Milchrinder, der sich an eine breite Leserschaft richtet.

Fritz Fleege war 44 Jahre Journalist und Redakteur der BauernZeitung bzw. dessen Vorgängerzeitschrift und ist mehrmals um die Welt gereist, um Menschen zu treffen, die Milchkühe halten und Milch erzeugen und damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Er hat sich mit ihnen darüber unterhalten, mit welcher Zielstellung, mit welcher Motivation sie Kühe halten, was ihnen dabei Freude bereitet, aber auch mit welchen Problemen sie konfrontiert sind und wie sie ihre Perspektive als Milcherzeuger sehen. Er hat sich ihre Ställe, Höfe und Anlagen angesehen und natürlich viel fotografiert.

Mit den Kenntnissen eines Fachmannes, der schon in der Kindheit auf dem elterlichen Hof seine besondere Liebe zu Kühen entwickelte, werden die Gespräche, Besichtigungen und Fotos genutzt, um außerordentlich informative und dennoch kurzweilige Berichte und Geschichten zu formen. Es werden Milchviehbetriebe auf fünf Kontinenten und aus den unterschiedlichsten ökologischen und ökonomischen Regionen vorgestellt und so dem Leser die enorme Vielfalt, mit der man weltweit Milch produziert, eindrucksvoll vor Augen geführt. Die politischen und ökonomischen Veränderungen in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion haben dazu geführt, dass sich heute neben sehr kleinen Betrieben, die der Existenzsicherung von Familien dienen, auch große Milchfarmen nach amerikanischem Vorbild entwickeln. Von beiden Extremen, wie auch die zahlreichen Zwischenformen berichtet der Autor anschaulich. Über Indien, dem größten Milchproduzenten der Welt, erfährt man zum Beispiel von einer riesigen Milcherzeugergenossenschaft mit rund 14,4 Millionen Mitgliedern, die meistens nur zwei oder drei Milchkühe bzw. Büffel halten, die durchschnittlich 1 000 kg Milch pro Jahr geben, und die Milch über wenige Kilometer zur Sammelstelle tragen können.

Des Weiteren werden die großen Unterschiede bei der Futterversorgung und Rationsge staltung erläutert. In den Ländern mit den höchsten Milchleistungen dominieren kraftfutterreiche Diäten, die in Form von Mischrationen angeboten werden (z. B. Israel, Saudi-Arabien, Nordamerika, Westeuropa). In anderen Regionen spielt das Grasland eine herausragende Rolle für die Futterversorgung der Milchkühe (z. B. Neuseeland, Irland, Nord- und Westeuropa, Argentinien).

Das Buch gibt zudem einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Verfahren der Milchgewinnung. Die weitaus größte Zahl der Milchkühe auf der Welt wird heute noch mit der Hand gemolken. Das wird vor allem aus den Schilderungen über Indien und Afrika deutlich. Die maschinelle Milchgewinnung hat viele Facetten, was in dem Buch auch zum Ausdruck kommt. Das vollautomatische Melken wird vom Autor nicht nur im Titel thematisiert, er bringt aus den verschiedenen Regionen der Welt etliche Beispiele für die zurzeit höchstentwickelte Melktechnik und erläutert auch umfassend die Motive der Milchviehhalter für diese Investition.

Fleeges besonderes Interesse gilt jedoch den Menschen, die von und mit ihren Kühen leben. Es werden bodenständige Landwirte mit ihren Familien vorgestellt, die einen Hof bewirtschaften, der sich schon Jahrhunderte in Familienbesitz befindet. Es kommen Herdenmanager zu Wort, die für eine große Anzahl von Kühen verantwortlich sind, die Mitarbeiter anleiten und motivieren und ganz gezielt die Ökonomie des Unternehmens im Auge haben müssen. Von Menschen wird berichtet, die ihre Milch gleich im Betrieb verarbeiten und erfolgreich ganz spezielle Produkte vermarkten. Das Buch stellt einmal mehr unter Beweis, dass Frauen in der Milchviehhaltung eine herausragende Rolle spielen: als Herdenmanagerin, oder als Bäuerin, die auf dem Hof für das Milchvieh die Verantwortung trägt. Und auch in Afrika nehmen die Frauen immer häufiger das Heft in die Hand und betreiben erfolgreich Milchviehbetriebe bzw. sind als Tierärztinnen tätig, um die Farmer bei der Bewältigung der großen Probleme in der Tiergesundheit zu unterstützen.

Neben den Reportagen aus Milchviehbetrieben erhält der Leser viele interessante Informationen am „Rande“: So wird die Domestikation des Rindes sehr anschaulich und kurz gefasst beschrieben und die Anfänge der Rinderzucht werden erläutert. Der Leser erfährt etwas über die sogenannte Salinenkonvention, die es deutschen Milchbauern seit Jahrhunderten erlaubt, ihre Kühe auf österreichischen Almen zu weiden. Man liest, dass der Franziskanermönch Junipero Serra 1769 Longhorn-Rinder nach Kalifornien brachte und damit einen Grundstein für die dortige Milchrindzucht legte. Man erfährt außerdem etwas über Ghandi und die Kuh Jill sowie darüber, warum die Kühe in Indien heilig sind.„Menschen, Milchvieh, Melkroboter“ spricht einen großen Leserkreis an: Menschen, die Kühe mögen und Menschen, die von Berufs wegen etwas mit Kühen zu tun haben wie Landwirte, Tierärzte, Stallbauer, Berater, Lehrer, Auszubildende, Studierende und viele andere.

Dem Autor sei gedankt für die Mühen, die er auf sich genommen hat, um dieses herausragende Kompendium der internationalen Milchviehhaltung zu verfassen. Er hat mit Neugierde einen Blick auf die „Milchwelt“ geworfen und lässt uns in dem Buch daran teilhaben. Die vielen großen und kleinen Geschichten mit aussagekräftigen Abbildungen gehen auf keine Kuhhaut, aber auf 288 Buchseiten. Der Dank gilt auch Silke Bärisch-Müller, die das Vorhaben unterstützt hat, sowie dem Deutschen Bauernverlag, der das Buch verlegt.

... und das meint der Verlag:

 

Milchvieh, Mensch und Melkroboter
von Fritz Fleege

Überall auf der Welt werden Rinder gehalten, um Menschen mit Milch zu versorgen. In welcher Weise Bauern ihre Tiere halten, füttern und melken, ist Resultat unterschiedlichster natürlicher und ökonomischer Bedingungen, die wiederum durch politische und geschichtliche Faktoren geprägt sind. Fritz Fleege war als Fachredakteur für die BauernZeitung und auf privaten Reisen in alle Teile der Welt mehr als 40 Jahre der Vielfalt der Milchviehhaltung auf der Spur. Er hat seine Eindrücke vom Umgang der Menschen mit dem Milchvieh in 38 Ländern auf fünf Kontinenten festgehalten.

Bereits Deutschland – von der See bis zu den Alpen und von der Oder bis zum Rhein – ist mit seinen Groß- und Familienbetrieben beredtes Beispiel für Vielfalt in der Milchviehhaltung. In Europa spannt sich der Bogen von der Iberischen Halbinsel bis zum Ural, vom Nordkap bis Sizilien, von Hightech-Ställen in Schweden bis zur Rassenvielfalt in Frankreich. Im Norden Amerikas lässt sich eine hocheffiziente Produktion mit den Holsteinkühen beobachten. Im Süden des Kontinents wird Milchviehwirtschaft in einem klimabewussten Wald-Weide-System gefördert. Die verschiedensten Haltungsbedingungen und Vermarktungsstrategien lernt man in Afrika kennen. In Asien versuchen Israel mit hocheffektiver Milchviehhaltung, Saudi-Arabien mit dem größten Milchviehstall der Welt, Indien mit „heiligen Kühen“ und „weißer Revolution“ und China mit Farmen nach amerikanischem Vorbild den wachsenden Milchdurst zu stillen. Und das kleine Neuseeland beeinflusst als größter Milchexporteur entscheidend den Weltmarktpreis.

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